22.01.2018 15:25
von Nik Pichler
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Der Stil einer Freundschaft

Was der Stil einer Freundschaft ist, wurde mir mal wieder bewusst, als ich eine meiner besten Freundinnen – Eva – einlud, um mit mir den Wiener Kaffeesiederball zu besuchen. Der Stil dieser besonderen Freundschaft zeigte sich, als wir uns gemeinsam für den Ball in meiner Wohnung vorbereiteten. Dieses Ritual hatten wir früher vor diversen Festivitäten schon oft praktiziert. Wir kennen uns seit 27 Jahren. Oftmals war diese Vorbereitungszeit viel schöner, lustiger und auch spannender als das Event selbst.

Das Schöne an langjährigen Freundschaften, die einen durch dick und dünn tragen, ist, dass es nie einer Erklärung bedarf und man auf eine ganz besondere Art dort weitermacht, wo man das letzte Mal aufgehört hat, auch wenn das schon längere Zeit zurückliegt. Und so war es auch diesmal. Es ist sicherlich mehr als 10 Jahre her, dass Eva und ich dieses Ritual gemeinsam durchlebt hatten und doch war es, als sie in meiner Wohnung ankam, als ob wir erst letzte Woche genau dasselbe gemacht hätten.

Das Außergewöhnliche an diesen wunderbaren freundschaftlichen Beziehungen ist, dass sämtliche gemeinsame Aktivitäten so selbstverständlich sind. Dass man nichts erklären muss, dass man einfach sein darf. Es ist, wie es ist und es geht hier auch nie darum, was man tut. Es geht nur darum, wer man gerade ist und wie es einem geht.

Diese gemeinsame Zeit unter wahren Freunden ist einer der wertvollsten Augenblicke im Leben. Es ist auch eine tatsächliche Momentaufnahme. Denn es geht nur um dieses Momentum. Das Interessante dabei ist, dass, während wir in unsere jeweiligen Ball-Outfits geschlüpft sind und der individuelle Fokus somit auf uns selbst gerichtet ist, wir es doch schaffen, uns interessiert, wertschätzend auszutauschen. Und so sollte es ja eigentlich immer sein. Nur wenn wir bei uns sind, können wir auch mit anderen sein. Wenn wir uns gegenseitig helfen, die Fliege bzw. die Halskette auszuwählen bzw. anzulegen, helfen wir, einander schmücken. Das ist eine sehr schöne Metapher dafür, dass, außer uns selbst, uns wahre Freudinnen und Freunde immer am besten schmücken werden. Sie wollen, dass wir schön sind, nicht, um jemandem zu gefallen, sondern nur um unser selbst willen.

Wenn wir uns für ein Event vorbereiten, hat der Genuss in der Vorbereitung seine Tradition: Eine Flasche Sekt wird aufgemacht und Häppchen werden gereicht. Meine Freundinnen bzw. Freunde sind sicherlich Meisterinnen und Meister des Genusses. Genuss schafft Verbindung und ist eine ganz wunderbare Basis für Beziehungen und deren Entwicklung. Ich finde, dass das Wesen einer Freundschaft oftmals darin bestätigt wird, ob und wie man gemeinsam Genuss zelebriert.

Und dann kommt der Zeitpunkt, zu dem wir fertig sind, fertig, um das Event zu besuchen. Gerne zögern wir die Abfahrt etwas hinaus, denn wir wissen, dass nun die Intimität der Vorbereitung der Öffentlichkeit der Veranstaltung weichen muss. Nur noch ein ganz privater Tanz, nur noch einmal in geschützter Umgebung etwas verrückt sein dürfen und erst dann geht’s los. Die Kunst ist es, das Gefühl, das in dieser Vorbereitungszeit entsteht, in die Realität des Events zu transferieren. Und das ist uns diesmal wieder gelungen. Der Kaffeesiederball war wunderbar. Er war magisch, bodenständig, sehr persönlich - einfach stilvoll!

Fotos by Emilia Stone


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