11.08.2017 07:00
von Nik Pichler
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Mein Urlaub – blöd geschaut...

Nachdem ich schon mehr als vier Jahre keinen Sommer-Urlaub mehr gemacht habe. Da ich die meiste meiner freien Zeit in New York verbracht habe und in der letzten Zeit doch beruflich ziemlich viel los war, wurde mir von meinem engsten Umfeld – liebevoll, aber doch bestimmt - nahegelegt, doch mal für eine Woche abzuhauen, auszuspannen, abzuschalten oder was auch immer. Meine sehr konstruktiven Beraterinnen und Berater rieten mir zu einem Strandurlaub, ich solle doch einfach mal nichts überlegen, planen, konzipieren, kreieren. Nur blöd schauen war mein Auftrag. Strandurlaub ist für mich so ziemlich das Langweiligste und rangiert sogar noch nach Golfspielen. Aber sie hatten recht und es war richtig, mal Urlaub zu machen und Kraft zu tanken. Nur so einfach war das dann doch nicht, denn wohin sollte ich fahren?

Es ist schon irgendwie interessant, wie ich die Planung für jedes komplizierte Shooting , jede noch so umfangreiche Kampagne oder der schwierigste Dreharbeiten unbeeindruckt aus dem Ärmel schüttle, aber mit meiner ganz privaten Urlaubsplanung dann doch völlig überfordert war. Von Miami über Kuba, Frankreich, Italien bis hin zu Spanien war irgendwie alles möglich und doch nichts wirklich wahrscheinlich. Eine liebe Freundin gab mir schließlich den Tipp, nach Sitges zu fahren. Das sei eine halbe Stunde außerhalb von Barcelona, schön, lustig und das Richtige zum „blöd Schauen“. Außerdem könne ich ja, wenn ich vor Langeweile dahinsiechen sollte, nach Barcelona abhauen (was ich schließlich auch gemacht habe...)    

Wien Meidlinger Markt
Wien Meidlinger Markt

Lustig mit Air China, Schlaf und Gin Tonic

Den einzigen Flug, den ich ergattert habe, war jener mit Air China und damit hat mein Urlaub schon irgendwie sehr witzig begonnen. Der Flug war gut, die Stewardessen sehr nett, obwohl sie kein Wort von dem, was ich sagte, verstanden, aber immer verständnisvoll lächelten und ihre einstudierte Antwort wiederholten: „You have to swith off your mobile phone Sir“ – Ich: „This is in flight mode and I am just listening to offline music“ – Sie: Yes, yes Sir - you have to swith off your mobile phone....... Gut, nachdem ich diesen Kampf irgendwie nicht gewinnen konnte, gab ich auf und schlief.

In Barcelona angekommen, nahm ich ein viel zu teures Taxi nach Sitges, die Bus-Haltestelle fand ich trotz mehrmaliger Versuch nicht, daher musste ich, obwohl ich ganz passabel Spanisch spreche, diese Deppensteuer zahlen. Sitges selbst ist eine großartige kleine Touristenstadt, die eine Mischung an Menschen aufwies, die wunderbar ist. Jedes Geschlecht jeder Nation, jedes Alter, jede sexuelle Orientierung, ob Familien, Singles, Paare, ob alternativ, chic oder was auch immer, war vertreten und mischte sich herrlich miteinander. Und diese Mischung faszinierte mich und brachte mich dazu, tatsächlich zwei volle Tage am Strand auf einer Liege zu verbringen und zu schauen. Nicht mal zu lesen oder Musik zu hören, einfach zu schauen – blöd zu schauen.

Die ersten beiden Abende schlief ich schon recht bald nach dem Abendessen, ich hatte einiges an Schlaf aufzuholen. Am dritten Abend ging ich weg, lang und intensiv, was zur Folge hatte, dass ich den vierten Tag in Hotel halb sterbend am Pool verbrachte und über mein Leben ‚post alcohol“ nachdachte. Ich hätte es wissen können, die Gin-Tonic Mischungen sind hier schon viel stärker, aber ich wollte natürlich nur höflich sein und ja keine Runde auslassen.....;-)

Wien Meidlinger Markt

Hopp Off Barcelona und Caipirinha

Aber am Freitag war Schluss. Ich musste raus, ich hatte genug von Strand, Pool und Gin Tonic. Also ab nach Barcelona – ich hab vor langer Zeit in Spanien studiert und dort auch ein Praktikum absolviert, daher kannte ich Barcelona – na ja, aber wie dann feststellte, machen mehr als 20 Jahre nun doch einen Unterschied. Ich erkannte es nicht mehr und fand mich daher auf einem Doppeldecker-Touristenbus „Hopp On – Hopp Off“ und versuchte einen Überblick zu bekommen. Ich spöttelte immer über Menschen auf diesen Bussen, aber es ist manchmal schon ganz sinnvoll, das zu tun. Nach 1,5 Stunden war aber auch damit Schluss, denn als wir zum Viertel Ribera genannt „El Born“ kamen – hoppte ich off und erkundete die Straßen dieses Quatros. Und da war ich in meinem Element, ich hatte absolut keinen Plan - herrlich –, ich schaute blöd, fotografierte (mit Handy,, meine Kameras blieben zuhause) und verlor mich in Geschäften, Galerien, auf Plätzen und entdeckte ein ganz wunderbares Restaurant. Es war ein Italiener "Las Sorrentinas", aber ich war im spanischen Himmel.

Am Abend nahm ich den Zug heim nach Sitges und musste diesen wunderbaren Tag natürlich feiern. Also ich ging ich weg. Schon nach kurzer Zeit lernte ich zwei Franzosen kennen und wir hatten einen herrlichen, lustigen Abend. Ich glaub, es waren dazwischen auch ein paar Niederländer bei unseren Caipirinha Trinkrunden anwesend, aber so ganz genau kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich weiß noch, dass ich selten so viel gelacht habe und als ich dann im Hotel war, noch einige Zeit im Badezimmer verbrachte, was in dem Moment nicht wirklich der Burner war, aber für den bevorstehenden Kater am nächsten Tag doch ganz hilfreich. Ja der nächste Tag war dann wieder wie der Donnerstag davor und ich schwor dem exzessiven Feiern für immer und ewig ab. Der Samstag war damit zu vergessen, denn ich schaffte genau den Weg zwischen Zimmer und Pool und zurück.

Wien Meidlinger Markt
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Mit dem E-Bike auf high Speed

Am Sonntag wurde ich früh wach und beschloss, nach Barcelona zu fahren. Ich machte eine E-Bike-Tour – großartig – wir waren eine echt nette kleine Gruppe und fuhren im Barrio Gotico los, den Montjuic hinauf, einen Teil sogar mit der Gondel, düsten mit mehr als 50 km/h den Berg wieder hinunter zum Hafen und nahmen dort einen Katamaran hinaus aufs Meer. Gemeinsam mit einer Frau aus Neuseeland und einem Paar aus den Niederlanden lag ich in den vorderen Netzen des Katamarans und genoss die Fahrt und die wunderbare Küstenansicht. Nachdem wir zurückgekommen waren, ging’s mit Speed weiter durch den Park de la Ciutadella und zum Schluss durch das Viertel „El Born“ wieder zum Ausgangspunkt unserer Tour. Es war ein herrliches Abenteuer, wir fuhren rasant durch die Stadt, sahen und erfuhren viel. Gaurav von webarcelona war ein großartiger Führer, der nicht nur spannend erzählte, sondern auch sehr lustig war, kein Wunder, hatte er doch die Nacht zuvor durchgemacht und war für einen kranken Kollegen eingesprungen.

 

Nach diesem Abenteuer erkundete ich noch das Viertel „Gracia“, das neue Bohemian Viertel von Barcelona. Da es Sonntag war, gab es nicht viel zu sehen, aber das Flair dieser Gassen und Plätze, die Ruhe und die Menschen waren außergewöhnlich.Zurück in Sitges traf ich mich mit meinen neuen französischen Freunden auf einen Farewell Drink – antialkoholisch diesmal natürlich, mein Motto: Nie wieder Alkohol galt noch immer - und am nächsten Tag in der Früh ging es heim.

Dieser Urlaub war besonders, ich habe schon lange nicht mehr in dem Zeitraum von einer Woche so wenig getan und so blöd geschaut. Aber was dabei herausgekommen ist, waren schöne Begegnungen mit Menschen, mit Orten, mit Essen - last but not least - mit mir selbst.

 

 

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