23.06.2017 11:28
von Nik Pichler
(Kommentare: 1)

ART BASEL

Eine Kunstmesse wie die artBasel zu besuchen, ist für mich ein ganz einzigartiges Erlebnis. Da ich kein Kunstsammler bin, sondern der anderen Seite, der künstlerischen, zugehöre, ist dies ein Ort der unendlichen Inspirationen.  Es sind aber nicht nur die zahlreichen Kunstwerke, die mich jedes Jahr zum Staunen bringen. Es ist dieses Gesamtkunstwerk der artBasel. Und diesem Kunstwerk gehören Künstlerinnen und Künstler, Galeristinnen und Galeristen, Kunstliebhaberinnen und Kunstliebhaber, Sammlerinnen und Sammler, Studierende, sich selbst vor Ort in Szene setzende Menschen, medienscheue und mediengeile Personen  aus aller Welt an. Sie alle verbindet Eines: die Kunst. Dass sie alle selbst auf ganz eigene Art und Weise Teil eines großen Gesamtkunstwerks werden, ist ihnen zum Großteil gar nicht bewusst.

Und mitten darunter befinde ich mich - und staune

Ich habe in den Jahren, in denen ich nun die artBasel besuche, beobachtet, wie Menschen an diesem Ort von ihren alltäglichen Strukturen ausbrechen oder sich an ihnen um so stärker anklammern. Manche sind scheu, manche exaltiert, die einen furchtsame Betrachterinnen und Betrachter, die anderen harsche Kritikerinnen und Kritiker. Und mitten darunter befinde ich - mich und staune.

Jedes Jahr bestaune ich dieses unglaubliche Gesamtkunstwerk artBasel aufs Neue. Diese einzigartige Performance beginnt für mich schon beim Abflug in Wien, weil beim Betrachten der Passagiere in der Abflughalle schon klar ist, wer nach Basel zum Pre-Opening fliegt.  Es ist nicht nur die Kleidung, es ist dieses ganz eigene 'kunstbetonte Gehabe'. Noch bevor der Flieger abhebt, ist man schon abgehoben. Ich meine das zwar schon wertend aber nicht negativ. Vielleicht ist es sogar notwendig,  vom Alltag abzuheben, um in den Kunstgenuss einzutauchen.

Aber ist es wirklich ein Eintauchen in den Kunstgenuss oder nicht vielmehr ein Lauf der und um künstlerische Sichtweisen? Kunst, Kunst, Kunst und man darf ja nichts versäumen. Dieser Messemarathon ist für alle gleichermaßen mit einer gewissen Art von Stress verbunden. Die einen wollen die besten Deals machen, sowohl im Verkauf als auch im Kauf. Die anderen wollen ja nichts von den zahlreichen Events versäumen.  Das Angebot ist riesig und die Zeit ist knapp.

Es herrscht Tempo!

Und der Ort, an dem dieses Spektakel stattfindet ist Basel. Ein schönes, beschauliches Städtchen am Rhein, das aber auch mit faszinierender zeitgenössischer Architektur aufwarten kann. Wenn die art startet, dann verwandelt sich Basel in ein gigantisches und wunderschönes Zirkuszelt, wo jede bzw. jeder ja keine Attraktion versäumen will. Es herrscht Tempo!

So war auch ich heuer im Gegensatz zu den Jahren davor, von einem engen Timing bestimmt. Da ich auf Instagram und Facebook live berichtet habe, hatte ich auch Stress, den ich sonst eher nicht hatte. Auch ich war im Strudel der Zeit.  In zweieinhalb Tagen standen für mich die art, die Design Miami, die Unlimited, die Liste und die Volta am Programm. Sonst hatte ich mich immer einen ganzen Tag in der Unlimited verloren, einer Ausstellung von großen Installationen und Performances, bei denen ich immer viel Inspirationen gefunden hatte. Heuer war ich nur ein paar Stunden dort. Dafür habe ich die Liste gesehen, eine Veranstaltung, die junge unbekannte Künstlerinnen und Künstler in einer alten Brauerei präsentiert. Auch das war sehr beeindruckend und auch dort gab es unglaubliche Performances – wie z B. eine Künsterlin, die am Rooftop eine Stunde lange mit dem Mikro auf voller Lautstärke über einen Schauspieler sinnierte, den eh keiner kannte. Sie war jedoch immer wieder bemüht zu versuchen, ob sich jemand im Auditorium an ihn erinnere. Es ist schon interessant, wie Menschen darauf reagieren. Von amüsiert bis genervt, war so ziemlich jede Reaktion im Publikum vorhanden.

Was ich an der art wirklich großartig finde, ist, dass man aus seinem Alltag hinaus katapultiert wird. Dass man sich plötzlich mit visuellen, auditiven oder kinästhetischen Eindrücken auseinandersetzt, die einem im Alltag nicht oder kaum begegnen. Auch wenn man ein Kartonstück an der Wand vielleicht nicht als Kunstwerk bezeichnen mag, so gibt es doch jemanden, der sich dazu etwas überlegt hat und darum geht’s: Um das, was dahinter steckt. Kunst regt unseren Geist an und erzeugt Emotionen, positiv oder negativ – egal – es passiert etwas mit uns. Bei Kunst geht es meines Erachtens nicht nur darum, ob etwas schön ist oder nicht. Es geht für mich darum, was ein Kunstwerk aussagt, was es mit mir macht. Das finde ich spannend.  Bei der Vernissage meiner letztjährigen Ausstellung in Berlin kam eine Besucherin auf mich zu und sagte: „Ich finde es mutig, wie Sie sich zeigen!“ Sie interpretierte daraufhin meine Emotionen in einem Bild. Ich war total verblüff.  Nicht darüber, dass ich mich zeige, sondern darüber, dass sie es erkannt hatte und plötzlich wurde Kunst sehr persönlich. Und Kunst ist persönlich  und zwar sehr. Dieser ganze Kunstzirkus mag von außen betrachtet eine ziemliches Spektakel sein, aber wenn man durch diese Schale hindurchdringt, oder sich von ihr gleich gar nicht beeindrucken lässt, dann ist Kunst einfach nur intim und magisch.

Am letzten Tag ging ich in die Fondation Beyerle. Dieses Museum wurde mir von einer lieben Freundin als magischer Ort beschrieben. Und sie hatte recht. Ich war selten in meinem Leben so sehr von einem Museum beeindruckt. Aber nicht nur das Museum,  auch der Künstler Wolfgang Tillmans, der dort gerade seine Ausstellung hat, beeindruckten mich so sehr, dass ich die Zeit vergaß. Ein wunderschönes Erlebnis, das Vergessen der Zeit für Kunst.

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Kommentar von Annika im Hotel |

Wie immer eine tolle Messe, gerne alle Jahre wieder, wenn ich dazu auch in so einem angenehmen Hotel in Basel wohnen kann.
Bis zum nächste Mal!

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